20221001 143355Am 1. Oktober wurden in der nordrhein-westfälischen Kleinstadt Gronau Stolpersteine für die drei Rote-Hilfe-Mitglieder Josefine Johanna Coche, Anna Coche und Frieda Emma Wicknig verlegt.

Alle drei Genossinnen waren Mitglied der KPD und im antifaschistischen Widerstand aktiv.

Nach der Machtübertragung an die NSDAP unterhielten sie enge Kontakte zur niederländischen Rode Hulp, der niederländischen Schwesterorganisation der RHD. Die drei nun geehrten Gronauerinnen brachten verfolgte Antifaschist*innen heimlich über die grüne Grenze zu den Aktivist*innen der Rode Hulp. Diese organisierte Lebensmittel, Kleidung und Übernachtungsplätze für die Emigrant*innen und unterstützte die Arbeit der illegalen RHD durch Spendensammlungen und Aufklärung über den NS-Terror.

 Josefine Johanna Coche, Anna Coche und Frieda Emma Wicknig wurden 1936 von der Gestapo verhaftet und kurz darauf vor dem II. Strafsenat des OLG Hamm/Westfalen zu mehrjährigen Haftstrafen wegen Hochverrats verurteilt.

Sie überlebten die Haft und wurden nach der Befreiung als politische Verfolgte anerkannt.

 Şahin Aydın, Initiator der Stolperstein-Verlegung, zeichnete zu Beginn der Veranstaltung in Anwesenheit mehrerer Ratsmitglieder der Fraktionen DIE LINKE, SPD und GAL sowie Mitgliedern der VVN-BdA die Lebens- und Widerstandsgeschichte der drei Arbeiterinnen nach.

Unter der Mitwirkung des Historikers und Vorsitzenden des deutsch-kurdischen Freundschaftsvereins Münsterland wurden in den vergangenen Jahren bereits zahlreiche weitere Stolpersteine verlegt.

 Bürgermeister Rainer Doetkotte (CDU) würdigte das Eintreten der drei Verfolgten gegen die Nazi-Diktatur und hob die Wichtigkeit antifaschistischer Gedenkarbeit hervor. Ihm wurde die vom Hans-Litten-Archiv herausgegebene Broschüre „Helft den Gefangenen in Hitlers Kerkern“ überreicht.

 Rote Hilfe e.V. Bundesvorstandsmitglied Henning v. Stoltzenberg ehrte den Kampf der drei mutigen Aktivistinnen, die unter schwierigsten Bedingungen ihr Leben riskiert hätten, um gegen den Faschismus zu kämpfen und Verfolgte zu verstecken. Ihr Kampf sei ein Kampf für eine solidarische Gesellschaft gewesen, in dem der ausbeuterische Kapitalismus überwunden sein würde. Angesichts einer erstarkenden Rechten in Europa sei es notwendig, aus dem Erinnern Schlüsse für die heutige antifaschistische Arbeit zu ziehen und solidarisch mit von Repression Betroffenen zu sein. Erkämpfte Grund- und Freiheitsrechte dürften nicht als selbstverständlich hingenommen werden, sondern müssten ständig verteidigt und erweitert werden. Es gelte auch heute solidarisch zu sein, wenn Antifaschist*innen wegen aktivem Widerstand gegen Neonazis, dem Kampf gegen den Klimakiller RWE oder das AKP-Regime vor Gericht gestellt und verurteilt würden.

 Während der Veranstaltung verteilte Şahin Aydın eine von ihm erstellte Begleit-Broschüre über Biografien verfolgter Gronauer Kommunist*innen, die von der Roten Hilfe e.V. finanziert wurde.

 Die Patenschaften für die drei Stolpersteine übernahmen Dr. med. Marta Pfeiffer und Christian Leye (MdB DIE LINKE.).

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