Keine In­for­ma­ti­on für Linke:
Baye­ri­scher In­nen­mi­nis­ter Beck­stein und Staats­an­walt­schaft war­nen Be­trof­fe­ne nicht vor einer mög­li­chen Ge­fähr­dung

Wie die Münch­ner tz (ta­ges­zei­tung) in ihrer mor­gi­gen Aus­ga­be be­rich­tet, spio­nier­te die 17jäh­ri­ge Aus­zu­bil­den­de Mo­ni­ka St. im Auf­trag der Na­zi­grup­pe „Ka­me­rad­schaft Süd“ um Mar­tin Wiese die Post­bank-Kon­ten an­ti­fa­schis­ti­scher und an­de­rer lin­ker Grup­pen aus. Laut tz sind u. a. Kon­ten des Münch­ner Frie­dens­bü­ros sowie der PDS be­trof­fen. Au­ßer­dem wur­den Mit­glie­der der „Ka­me­rad­schaft Süd“ bei der Aus­for­schung ver­schie­de­ner lin­ker Pro­jek­te be­ob­ach­tet. Das legt die Ver­mu­tung nahe, dass das In­ter­es­se an den Kon­ten sich nicht auf diese zwei Grup­pen be­schränkt hat. Auch die Rote Hilfe e. V. un­ter­hält Kon­ten bei der Post­bank und ist damit po­ten­zi­ell Opfer der Aus­for­schung ge­wor­den.

Auf diese Weise sind die „Ka­me­ra­den“ ver­mut­lich an die Namen von Kon­to­be­voll­mäch­tig­ten, Ver­eins­vor­stän­den und Ein­zah­le­rIn­nen ge­langt. Diese wur­den bis dato je­doch nicht in­for­miert.


Zur Er­in­ne­rung: Die Na­zi­grup­pe „Ka­me­rad­schaft Süd“ plan­te eine Reihe von An­schlä­gen. Bei meh­re­ren Haus­durch­su­chun­gen fan­den die Er­mitt­le­rIn­nen 14kg Spreng­stoff, Pläne für Bom­ben und zahl­rei­che Waf­fen sowie Un­ter­la­gen über mög­li­che An­schlags­zie­le. Elf Ver­däch­ti­ge der Grup­pe be­fin­den sich in Haft, dar­un­ter auch die Post­bank­an­ge­stell­te, zwei wei­te­re sind unter Auf­la­gen auf frei­em Fuß.

In­nen­mi­nis­ter Beck­stein, Staats­an­walt­schaft und Er­mitt­lungs­be­hör­den ver­schwei­gen bis heute Lin­ken und An­ti­fa­schis­tIn­nen, dass sie im Zu­sam­men­hang mit den Er­mitt­lun­gen gegen Wiese und Kum­pa­nen als po­ten­zi­el­le Ziele auf­ge­taucht oder bei Haus­durch­su­chun­gen Daten über sie ge­fun­den wur­den. Die in der tz ge­nann­ten Or­ga­ni­sa­tio­nen, PDS und Münch­ner Frie­dens­bü­ro, wur­den über den Fund ihrer Kon­to­da­ten bei den Nazis nicht in­for­miert.

Nicht zu­letzt die (Mord-)Dro­hun­gen gegen An­ti­fa­schis­tIn­nen im Zu­sam­men­hang mit den Pro­tes­ten gegen die von Mar­tin Wiese, Chris­ti­an Worch und Stef­fen Hupka durch­ge­führ­ten Na­zi­auf­mär­sche zei­gen, dass es un­er­läss­lich ist, mög­li­che Be­trof­fe­ne zu in­for­mie­ren. Zwar steht der­zeit nur die „Ka­me­rad­schaft Süd“ im Ram­pen­licht der Staats­an­walt­schaft, nicht zu ver­ges­sen sind aber „Ka­me­rad­schaf­ten“ in an­de­ren Bun­des­län­dern, die wei­ter­hin ar­bei­ten und in den Be­sitz die­ser Daten ge­langt sein könn­ten.

In­nen­mi­nis­ter Beck­stein muss sich die un­an­ge­neh­me Frage nach den Ur­sa­chen sei­ner se­lek­ti­ven In­for­ma­ti­ons­po­li­tik ge­fal­len las­sen. Of­fen­sicht­lich un­ter­schei­det er zwi­schen „schät­zens­wer­ten“ Per­so­nen und Or­ga­ni­sa­tio­nen und an­ti­fa­schis­ti­schen Grup­pen, denen er diese In­for­ma­tio­nen vor­ent­hält. Wir sehen dies auch in dem Zu­sam­men­hang, dass eben jene Be­hör­den, die diese In­for­ma­ti­on un­ter­drü­cken, gleich­zei­tig Straf­ver­fah­ren gegen An­ti­fa­schis­tIn­nen an­stren­gen, die sich gegen die Na­zi­auf­mär­sche der frei­en Ka­me­rad­schaf­ten en­ga­giert haben. (s. a. Pres­se­er­klä­run­gen der Rote Hilfe Orts­grup­pe Mün­chen vom 11.09.2003 und 23.09.2003)

E . E R L E, die Spre­che­rin des Bun­des­vor­stands der Roten Hilfe e. V., er­klärt: „Die Blind­heit auf dem rech­ten Auge reich­te of­fen­sicht­lich nicht mehr aus, um das im­men­se Ge­fah­ren­po­ten­zi­al der frei­en Ka­me­rad­schaf­ten wei­ter­hin zu über­se­hen. Sämt­li­che Be­trof­fe­nen müs­sen um­ge­hend über das Ma­te­ri­al in Kennt­nis ge­setzt wer­den, das die Nazis über sie ge­sam­melt haben, und alle Ver­fah­ren gegen An­ti­fa­schis­tIn­nen, die sich en­ga­giert den Nazis in den Weg ge­stellt haben, sind ein­zu­stel­len!

E . E R L E
Rote Hilfe e. V. – Bun­des­vor­stand

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