Adil DemirciPresseerklärung des Solidaritätskreises „Freiheit für Adil“
Köln, den 23.05.2018

Seit nun fast sechs Wochen befindet sich Adil Demirci, Sozialwissenschaftler und Journalist aus Köln, im Hochsicherheitsgefängnis Silivri in der Türkei.

Am 17.05.2018 durfte Adil´s Mutter ihren Sohn erstmals nach seiner Verhaftung im Gefängnis besuchen. Die beiden waren glücklich über ihr Wiedersehen und hatten erstmals für eine Stunde Zeit sich auszutauschen. Adil´s Mutter berichtete, dass es ihrem Sohn den Umständen entsprechend gut gehe. Er versuche gerade seinen Alltag im Gefängnis einigermaßen zu strukturieren und zu gestalten. Er lese und schreibe viel und treibe zudem Sport. Da er weder Tageszeitungen erhalte noch einen Fernseher habe, erhalte er keinerlei Informationen über das was in der Welt geschieht. Briefe, die er bisher erhalten habe, kommen relativ verspätet an (ca. 3-4 Wochen). Adil freut sich weiterhin über Briefe von jedermann/jederfrau.

G20 Flyer vorneRote Hilfe e.V. verurteilt die pauschale Vorverurteilung von Aktivist*innen

 Knapp zehn Monate nach dem G20-Gipfel in Hamburg haben Polizei und Staatsanwaltschaft in der vergangenen Woche mit einer erneuten Öffentlichkeitsfahndung nach Tatverdächtigen begonnen. Dazu wurden Fotos von 101 Verdächtigen im Internet veröffentlicht. Die Fahndung wurde zudem auf 15 europäische Länder ausgeweitet.

 Die Fahndung per veröffentlichten Fotos ist hoch umstritten. Sie ruft die Bevölkerung gezielt zur Denunziation auf und stigmatisiert die Betroffenen zu Straftäter*innen, ohne dass dafür ein legitimer Beweis vorgelegt wird. Denn bevor die jeweils Verdächtigten ein Gerichtsverfahren erhalten, in dem ihre Schuld oder Unschuld fest gestellt wird, kursieren bereits Fotografien in der Presse und im Internet, auf denen sie als Straftäter*innen diffamiert werden.

 Die Hamburger Staatsanwaltschaft teilte nun mit, dass es im Zusammenhang mit dem G20 bisher keine Person gegeben habe, die zu Unrecht in die Öffentlichkeitsfahndung gelangt sei. Diese Aussage verdeutlicht, dass alle Betroffenen bereits im Vorfeld als schuldig betrachtet werden.

 friedenstaubeAktuell fnden in vielen Orten der BRD die alljährlichen Ostermärsche statt. Sie fordern die Beendigung von Kriegen, einen Stopp der Rüstungsproduktion und eine atomwaffenfreie Welt.

Ebenfalls macht sich die Friedensbewegung für die Rechte der vor Krieg und Armut nach Deutschland geflohenen Menschen stark und warnt vor dem aktuellen Rechtsruck.

 Hierzu erklärt Heiko Lange, Mitglied im Bundesvorstand der Roten Hilfe e.V.: „Gemeinsam mit der Friedensbewegung fordern wir die Freilassung aller Kriegsgegner*innen. In vielen Ländern werden Menschen inhaftiert, weil sie den Kriegsdienst verweigern oder gegen militärische Interventionen auf die Straße gehen.

Hierzulande sind aktuell viele Aktivist*innen von Repression betroffen, weil sie gegen den völkerrechtswidrigen Einmarsch der Türkei in Nordsyrien protestiert und sich mit der Bevölkerung in Afrin solidarisiert haben. Ebenso stehen beispielsweise vier Aktivisten in Sachsen-Anhalt vor Gericht, weil sie die Militärübungsstadt Schnöggersburg im Gefechtsübungszentrum (GÜZ) Altmark bei Magdeburg symbolisch besetzt hatten. Gegen die innere und äußere Militarisierung sowie die Unterstützung von Kriegen durch Rüstungsexporte zu protestieren ist legitim und den betroffenen Aktivist*innen gehört unsere Solidarität.“

Afrin Konzert Liebe Freundinnen und Freunde,

Liebe Genossinnen und Genossen,

 wir grüßen alle Teilnehmenden an dieser heutigen wichtigen Solidaritätsveranstaltung und wünschen ihr einen erfolgreichen und kämpferischen Verlauf.

 Wir waren geschockt und wütend, als uns am 18. März, ausgerechnet dem Kampftag für die Freiheit der politischen Gefangenen, die Nachricht erreichte, dass Afrin komplett von türkischen Truppen und mit ihnen verbündenen dschihadistischen Terrormilizen besetzt und die Bevölkerung auf der Flucht ist. Hunderte Menschen haben bei diesem völkerrechtswidrigen Angriff des türkischen Regimes auf das Nachbarland Syrien ihr Leben verloren, viele Tausende ihr Hab und Gut.

 Die herrschenden Großmächte hingegen haben weitgehend geschwiegen, wie sie auch dazu schweigen, dass in der Türkei tausende Menschen inhaftiert sind, darunter viele Kritikerinnen und Kritiker der Kriegspolitik des AKP-MHP Regimes.

 Im Gegenteil wird grade auch hier in der BRD alles getan, um Protest und Widerstand gegen Erdogan und seinen Angriffskrieg zu verhindern oder zumindest so gut es geht zu erschweren.

 Dafür werden große Demonstrationen verboten, kleinere Proteste von der Straße geprügelt, nicht überall, aber an vielen Orten.

 Während deutsche Leopard II Panzer Afrin beschossen haben, wurden Fahnen der Volks- und Frauenverteidigungseinheiten YPG und YGJ oder Bilder des PKK-Vorsitzenden Abdullah Öcalan zum Anlass der Kriminalisierung unserer Demonstrationen genommen.

foto 18Vorwort des Bundesvorstandes der Roten Hilfe e.V.

Den Schwerpunkt unserer diesjährigen Sonderbeilage widmen wir den politischen Gefangenen und den unzähligen von Repression Betroffenen und Verletzten im Zuge der Proteste gegen den G20-Gipfel. Dieses politische Großereignis wird sicher nicht durch die von den Herrschenden gefällten Beschlüsse während ihrer milliardenteuren PR-Show, sondern durch die vielfältigen Gegenproteste sowie massivste Grundrechtseinschränkungen und Polizeigewalt in die Geschichte eingehen.

Dies ist der Grund, warum linke Aktivist*innen mit einer derartigen Vehemenz auch im Nachhinein verfolgt werden. Noch immer sitzen mehrere Aktivisten in Untersuchungshaft in den JVA Billwerder und Hahnöfersand und warten auf ihre Gerichtsverfahren. Die bereits gefällten Urteile sind so eindeutig wie selten politisch motiviert, und die drakonische Höhe der Haftstrafen belegt dies zweifelsfrei. Hiergegen gilt es, mit allen politischen und juristischen Mitteln vorzugehen.

Und der Staat ist bemüht, weitere politische Gefangene zu machen. Mit der Einrichtung der SOKO Schwarzer Block wurden 170 Ermittler*innen eigens dafür abgestellt, Teilnehmer*innen der G20-Proteste zu ermitteln und dingfest zu machen. Die dazu verwandten Mittel erinnern an den Wilden Westen: Aufrufe zur Denunziation an die Bevölkerung, Veröffentlichung von Bild- und Videomaterial im Internet und in der Boulevardpresse, die sich dafür nur zu gern zur Verfügung stellt.

stoppt polizeigewaltAm Sonntag, den 11. März 2018, fand in Chemnitz eine Anti-Knast-Demonstration statt, die sich mit kämpfenden Gefangenen solidarisierte. Nach der Veranstaltung kam es zu gewalttätigen Übergriffen der Polizei gegenüber einigen Teilnehmer*innen.

 Die Demonstration selbst kann als Erfolg gewertet werden: Eine Zwischenkundgebung vor dem Chemnitzer Frauengefängnis erinnerte an einen Streik der Insassinnen im letzten Jahr, mit dem diese sich gegen unwürdige Arbeitsbedingungen zur Wehr setzten. Die Kundgebung wurde mit begeisterten Reaktionen der Inhaftierten belohnt

 Nach dem Ende der Demonstration waren etwa 50 Teilnehmer*innen auf dem Weg zu einer kurdischen Kundgebung gegen die derzeitigen türkischen Kriegshandlungen in Afrin. Unterwegs beobachteten die Aktivist*innen, wie die Polizei andere abreisende Genoss*innen kontrollierte, und bekundeten spontan ihre Solidarität mit den Betroffenen. Aufgrund des sich formierenden Protests gegen diese seitens der Beamt*innen nicht begründbare Maßnahme wurde diese kurzerhand als allgemeine Verkehrskontrolle deklariert. Mehrere der hinzu gekommenen Aktivist*innen wurden aufgefordert, sich zu entfernen. Sie kamen dieser Aufforderung jedoch nicht nach, sondern unterstützten die Betroffenen weiterhin. Daraufhin wurden sie von den Beamt*innen unter Einsatz des Schlagstocks gewaltsam vertrieben.

atik

 Rote Hilfe e.V. fordert Freispruch für alle Angeklagten

 In den Prozess wegen Mitgliedschaft in einer „ausländischen terroristischen Vereinigung“ nach dem §129b gegen zehn mutmaßliche Mitglieder der TKP/ML (Kommunistische Partei der Türkei/Marxistisch-Leninistisch) scheint endlich Bewegung zu kommen.

Mit Beschluss des OLG München vom 19.02.2018 wurden die Haftbefehle gegen die Angeklagten Sinan Aydin, Dilay Banu Büyükavci, Sami Solmaz und Musa Demir ausser Vollzug gesetzt. Damit kommt der Senat endlich der Forderung der Verteidigung nach, dass die Untersuchungshaft alles andere als verhältnismäßig ist.

rh logoSeit dem heutigen Morgen befinden sich zahlreiche Fotos und Videos von Aktivist*innen auf der Webseite der Hamburger Polizei. Die „SOKO Schwarzer Block“ wirft den Personen Straftaten während der Proteste gegen den G20-Gipfel vor. Gezeigt werden Aufnahmen, die während Polizeieinsätzen an der Elbchaussee, am Rondenbarg, oder im Schanzenviertel entstanden sind. Die Polizeiführung hatte die Internetfahndung bereits im Vorfeld angekündigt.

MesaleDer nächste Prozesstermin gegen Mesale Tolu findet am 18. Dezember im Istanbuler Justizpalast statt. Die aus Ulm stammende Journalistin war vor über sieben Monaten in der Türkei festgenommen worden. Unter dem vom Regime erhobenen Pauschalvorwurf der „Mitgliedschaft in einer Terrororganisation“ wird ihr nun wie vielen anderen der Prozess gemacht.An der Verhandlung nimmt neben Familienangehörigen auch eine Beobachtungsdelegation aus der BRD teil, der u.a. Heike Hänsel (MdB DIE LINKE), Günther Wallraff und zahlreiche Anwält*innen angehören.Der politische Druck auf das AKP-Regime und die Bundesregierung steigt. Neben zahlreichen Stellungnahmen aus Politik und Gesellschaft fordern über 100.000 Unterzeichner*innen einer Petition das Auswärtige Amt und Außenminister Gabriel auf, im Sinne der Freilassung Tolus tätig zu werden.

demosaniDas Amtsgericht Berlin Tiergarten verurteilte am 14.12.2017 einen Demosanitäter wegen angeblicher passiver Bewaffnung und anderen Delikten zu 50 Tagessätzen Geldstrafe.

 Der Aktivist wurde während einer Demonstration am 5. November 2016 in Berlin festgenommen. Angeblich stand er einem Polizeibeamten im Weg, weshalb eine Festnahme missglückte. Deshalb wurde ihm Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und Gefangenenbefreiung, aber auch Vermummung und passive Bewaffnung vorgeworfen. Besonders im Hinblick auf letztere Vorwürfe hat das nun gefällte Urteil eine besondere Bedeutung: Sie leiteten sich unmittelbar aus der Kleidung ab, die der Betroffene und andere Aktivist*innen als Sanitäter*innen auf Demonstrationen tragen.

 Neben auffälligen Westen und der Tasche mit benötigten Hilfsmitteln gehören dazu auch ein medizinischer Mundschutz und ein Helm. Der Helm soll verhindern, dass Sanitäter*innen durch Gegenstände oder im Gerangel verletzt werden. Der Mundschutz ist eine Schutzmaßname gegen potentielle Infektionen in der Behandlung.

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