Erdoğans Geschenk an Islamisten: Internationale Delegation festgenommen
Heute, am 28. Januar 2026, nahm die türkische Militärpolizei bei Mêrdîn (türk. Mardin) eine internationale Delegation fest, die sich auf einer Solidaritätsrundreise durch Kurdistan befand. Den 16 aus verschiedenen europäischen Ländern kommenden Journalist*innen und Vertreter*innen von Jugendorganisationen droht nun die Ausweisung. Mit dieser Repressionsmaßnahme will das türkische Regime die Solidarität mit der kurdischen Bevölkerung und internationale Öffentlichkeit unterbinden und die islamistischen Kräfte bestärken.
Die internationale Delegation, darunter auch zwei Mitglieder der Partei Die.Linke aus Hannover, hatte sich seit dem 25. Januar in mehreren kurdischen Städten mit Vertreter*innen zivilgesellschaftlicher Strukturen sowie Parteien getroffen. Anlass waren die anhaltenden Angriffe und Massaker, die islamistische Milizen und syrische Regierungstruppen mit türkischer Schützenhilfe in der selbstverwalteten kurdischen Region Rojava in Nordostsyrien verüben. Im Rahmen der Rundreise beobachteten die sechzehn Aktivist*innen auch die Proteste der lokalen Bevölkerung gegen die Angriffe und Menschenrechtsverletzungen sowie gegen die türkische Beteiligung daran. Zugleich wollten sie genauere Informationen über die humanitäre Katastrophe in den betroffenen Gebieten gewinnen und der internationalen Öffentlichkeit zugänglich machen.
Nach mehreren Tagen in der Provinz Amed (türk. Diyarbakır) war die Delegation am heutigen Mittwochmorgen weitergereist, wurde jedoch kurz vor der Provinzgrenze Mêrdîn von türkischen Polizeieinheiten festgenommen. Offenbar befindet die Ausländerbehörde nun über ihre Ausweisung.
„Die Verhaftung einer internationalen Jugend- und Pressedelegation ist empörend“, erklärte Hartmut Brückner vom Bundesvorstand der Roten Hilfe e. V. „Einmal mehr versucht der türkische Staat, jegliche kritische Berichterstattung über die von ihm unterstützten Massaker der islamistischen Mordbanden zu unterbinden und internationale Beobachter*innen mundtot zu machen. Die Festnahme kritischer europäischer Aktivist*innen ist ein weiteres Geschenk von Recep Tayyip Erdoğan an die reaktionären syrischen Kräfte, die genau wie er die kurdische Bewegung für Demokratie und Geschlechtergleichheit zerschlagen wollen.“ Abschließend fügte Brückner hinzu: „Wir als Rote Hilfe e. V. fordern die sofortige Freilassung der europäischen Delegation und ein Ende des Terrors gegen die kurdische Bewegung!“