Eva Maria Michelmann und Ahmed Polad: Freiheit für die vom syrischen Regime verschleppten Journalist*innen!
Über sieben Wochen sind die Journalist*innen Eva Maria Michelmann und Ahmed Polad, die zuletzt aus der Stadt Raqqa über die Massaker an der Zivilbevölkerung durch Regierungsarmee (STG) und islamistische Milizen berichteten, verschwunden. Seit sie am 18. Januar 2026 von den Truppen der syrischen Übergangsregierung in einem Transporter weggebracht wurden, gibt es kein Lebenszeichen von den beiden Medienvertreter*innen. Der Fall ist nur eine der zahllosen brutalen Menschen- und Grundrechtsverletzungen, die das neue syrische Regime vor allem an Kurd*innen und Unterstützer*innen der demokratischen Selbstverwaltung, aber auch an anderen Minderheiten verübt. Es verwundert also nur wenig, dass auch die Pressefreiheit mit Füßen getreten wird und eine unabhängige Berichterstattung durch Entführungen unterbunden werden soll.
Die Kölnerin Eva Maria Michelmann ist seit 2022 für verschiedene Medien in Rojava und Nordostsyrien tätig, unter anderem für die Nachrichtenagentur ETHA und den Fernsehsender Özgür TV. Während der Offensive der syrischen Regierungstruppen STG und islamistischer Milizen gegen die demokratischen Selbstverwaltungsstrukturen arbeiteten Michelmann und ihr Kollege Ahmed Polad im Büro von Örgür TV in Raqqa, als die Stadt selbst am 18. Januar 2026 angegriffen wurde. Angesichts der Berichte über Massaker an Zivilist*innen flüchteten sich die beiden Medienvertreter*innen zusammen mit weiteren Anwohner*innen in das Gebäude einer kurdischen Jugendorganisation. Von dort berichtete Ahmed Polad noch in mehreren Video-Nachrichten über die Ereignisse, bis die Internet- und Telefonverbindungen endgültig abbrachen. Die Verteidigungseinheiten der Syrischen Demokratischen Kräfte, die Fluchtmöglichkeiten für die bedrohte Bevölkerung zu schaffen versuchte, traten in Verhandlungen mit den STG, die das Gebäude belagerten. Ziel war es, alle etwa 40 hier eingeschlossenen Menschen zu einem Sammelpunkt nördlich der Stadt zu überstellen, was beim Großteil der Gruppe auch gelang – mit Ausnahme der beiden Pressevertreter*innen. Andere Evakuierte berichteten, dass die syrischen Regierungstruppen Eva Maria Michelmann und Ahmed Polad zu einem Fahrzeug brachten. Seither sind die beiden Journalist*innen spurlos verschwunden.
Erst Wochen nach dieser Entführung durch das syrische Regimes konnten die Ereignisse in Raqqa rekonstruiert werden, weshalb sich die Nichtregierungsorganisation People’s Bridge, die Angehörigen von Michelmann sowie ihr Anwalt nun an die internationale Öffentlichkeit wandten. Unter anderem laden sie am 10. März 2026 zu einer Pressekonferenz in der Alten Feuerwache Köln ein.
„Der Fall von Eva Maria Michelmann und Ahmed Polad zeigt, wie das vorgebliche Demokratieverständnis des Regimes von al-Jolani aussieht: Unbequeme Berichterstattung wird unterbunden, indem kritische Reporter*innen verschleppt werden. Diese Entführung ist ein weiterer skandalöser Angriff auf die Pressefreiheit, die weltweit in immer größerer Gefahr ist“,
erklärte Hartmut Brückner vom Bundesvorstand der Roten Hilfe e. V.
„Wir fordern alle fortschrittlichen Kräfte dazu auf, sich an der Kampagne für die Aufklärung des Schicksals der beiden Journalist*innen zu beteiligen und sich für ihre Freilassung einzusetzen. Freiheit für Eva Maria Michelmann und Ahmed Polad! Pressefreiheit verteidigen!“