Rote Hilfe Zeitung 1/2026 erschienen
Das Kapital hat einen Horror vor Abwesenheit von Profit oder sehr kleinem Profit, wie die Natur vor der Leere. Mit entsprechendem Profit wird Kapital kühn. Zehn Prozent sicher, und man kann es überall anwenden; 20 Prozent, es wird lebhaft; 50 Prozent, positiv waghalsig; für 100 Prozent stampft es alle menschlichen Gesetze unter seinen Fuß; 300 Prozent, und es existiert kein Verbrechen, das es nicht riskiert, selbst auf Gefahr des Galgens.
Karl Marx , MEW, Bd. 23 / Kapital Band I
Liebe Genoss*innen, liebe Kolleg*innen, liebe Leser*innen,
die Repression gegen betriebliche Interessenvertretungen und aktive Gewerkschafter*innen nimmt stetig zu: Einschüchterungen, Mobbing und Kündigungen sind in vielen Betrieben Alltag. Alles, was die Profitmaximierung des Kapitals behindert, wird mit allen Mitteln bekämpft. Wir haben in diesem Heft eine kleine Auswahl von Angriffen gegen aktive Kolleg*innen zusammengestellt.
Im Paragraph 2 unserer Satzung steht unter „Zweck der Roten Hilfe“ unter anderem: „(…) Die Rote Hilfe organisiert nach ihren Möglichkeiten die Solidarität für alle, unabhängig von Parteizugehörigkeit oder Weltanschauung, die in der Bundesrepublik Deutschland aufgrund ihrer politischen Betätigung verfolgt werden. Politische Betätigung in diesem Sinne ist z. B. das Eintreten für die Ziele der Arbeiter*innenbewegung, (…) gewerkschaftlicher Kampf (…). Unsere Unterstützung gilt denjenigen, die deswegen ihren Arbeitsplatz verlieren, Berufsverbot erhalten, vor Gericht gestellt und zu Geld oder Gefängnisstrafen verurteilt werden oder sonstige Nachteile erleiden.“
Natürlich ist es in erster Linie die Aufgabe der Gewerkschaften diese Solidarität zu organisieren und das geschieht auch in den meisten Fällen. Die Rote Hilfe e. V. kann weder die Gewerkschaften ersetzen noch will sie das. Aber auf die Missstände aufmerksam machen, für die betroffenen Kolleg*innen Öffentlichkeit schaffen kann sie.
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Die Scham sollte die Seite wechseln. Eigentlich.
Unsere Wut sollte Raum bekommen. Eigentlich.
Das Schweigen sollte gebrochen werden. Eigentlich.
Eigentlich sollte klar sein, dass wir Sexismus ablehnen und sexualisierte Gewalt nicht sein darf.
Und weil nicht sein kann was nicht sein darf gibt’s das alles bei uns nicht? Leider doch. Fälle sexualisierter Gewalt gibt es ebenso in der Linken. Wir brauchen, ebenso wie mit strukturellem Sexismus, einen emanzipatorischen Umgang mit ihnen. Wir brauchen konsequente Antworten, die nicht nur nach Schuldigen fragen, sondern die Betroffenen stärken und an die Ursachen gehen. Zu viele Fälle sind noch unsichtbar.
In der Praxis erweist sich das alles andere als leicht. Wir bewegen uns in Widersprüchen. Wie behandeln wir Fälle von Genoss*innen, die Repression erfahren und gegen die es auch Vorwürfe sexualisierter Gewalt oder grenzverletzendem Verhalten gibt? Konkret: Der Widerspruch zwischen solidarischer Unterstützung und gleichzeitiger klarer Positionierung gegen sexistische und sexualisierte Gewalt.
Queerfeindliche Repression, sexistische und sexualisierte Polizeigewalt und der kritische Umgang in unseren eigenen Antirepressionsstrukturen gehören für uns auch zum Schwerpunkt. Wenn ihr weitere Aspekte zum Thema oder Ideen für Artikel habt, schreibt uns gerne! Wir freuen uns auf eine kritische Auseinandersetzung.
Mit solidarischen Grüßen – euer Redaktionskollektiv
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Die Ausgabe ist wie alle Ausgaben seit 3/2011 auch als PDF-Download verfügbar.
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Schwerpunkt der RHZ 2/2026: Antisexismus und Solidaritätsarbeit
Redaktions- und Anzeigenschluss: 10.04.2026
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