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08.09.2026 | Pressemitteilung

Solidarität mit Autistici/Inventati

Nach einer US-Listung kündigt das italienische Internetkollektiv Autistici/Inventati die Einstellung seiner Dienste an. Die Rote Hilfe e.V. erklärt Solidarität und warnt vor den Folgen extraterritorialer Sanktionspolitik für linke Infrastruktur – eine Erfahrung, die sie Ende vergangenen Jahres selbst machen musste.
Autistici/Inventati

Die Rote Hilfe e. V. erklärt ihre Solidarität mit dem italienischen Internetkollektiv Autistici/Inventati. Das Kollektiv hat am 6. September 2026 angekündigt, seine Arbeit einzustellen und die angebotenen Dienste in absehbarer Zeit abzuschalten. Hintergrund ist die Listung durch US-Behörden und die damit verbundenen rechtlichen, finanziellen und technischen Risiken für das Kollektiv, seine Nutzer*innen und sein Umfeld.

Autistici/Inventati stellt seit 25 Jahren freie, nichtkommerzielle und datenschutzorientierte digitale Infrastruktur bereit. Dazu gehören unter anderem E-Mail-Dienste, Blogs, Webseiten und weitere Werkzeuge für sichere Kommunikation. Genutzt wurden diese Angebote von sozialen Bewegungen, Publikationen, Initiativen und Einzelpersonen, die auf unabhängige und nichtkommerzielle Infrastruktur angewiesen sind.

Nach der US-Listung drohen nicht nur direkte Sanktionen gegen das Kollektiv selbst. Auch Banken, Zahlungsdienstleister, Hosting-Anbieter, Domain-Registrare und weitere technische Dienstleister können Geschäftsbeziehungen beenden oder Leistungen einschränken. Für ein Projekt wie Autistici/Inventati bedeutet dies, dass der Weiterbetrieb grundlegender Infrastruktur praktisch unmöglich werden kann.

Die Rote Hilfe e. V. war Ende vergangenen Jahres selbst von vergleichbaren Folgen extraterritorialer US-Sanktionspolitik betroffen. Nach der Einstufung der sogenannten „Antifa Ost“ durch die USA kündigten die GLS Bank und die Sparkasse Göttingen die Konten der Roten Hilfe. Die Konten der Roten Hilfe laufen inzwischen weiter. Der Fall zeigte jedoch, dass politische Entscheidungen der USA auch in Europa unmittelbare Auswirkungen auf zivilgesellschaftliche Organisationen, ihre Finanzierung und ihre Arbeitsfähigkeit haben können.

»Autistici/Inventati wird nicht wegen einer konkreten Gefahr getroffen, sondern weil unabhängige Infrastruktur für linke und soziale Bewegungen politisch unerwünscht ist«, erklärt Hartmut Brückner vom Bundesvorstand der Roten Hilfe e. V. »Das ist der Versuch, die zivilgesellschaftlichen Projekte technisch und finanziell abzuschneiden. Wer das hinnimmt, macht sich abhängig von Konzernen, autoritären Staaten und ihren Repressionsapparaten.«